Zeppelin! Deutschland 2005; Regie: Gordian Maugg; Drehbuch: Gordian Maugg und Alexander Häusser (nach der gleichnamigen Novelle von Alexander Häusser); Darsteller Olaf Rauschenbach, Agnieszka Piwowarska, Alexander May u.a.; Länge: 105 Min.; FSK ab 6

"Zeppelin!"

erzählt eine Geschichte aus deutscher Vergangenheit und übergreift dabei drei Generationen. Angelpunkt ist die Explosion des letzten großen Zeppelin bei seiner Ankunft in den USA: Eine der großen Technik-Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts, dem Untergang der "Titanic" vergleichbar. Maugg erfindet eine mögliche Vorgeschichte, in der sich Melodram mit Ingenieursabenteuer verbindet. Seiner Methode gemäß verbindet der Regisseur auf virtuose Weise recherchiertes, dokumentarisches Filmmaterial mit sorgfältig einmontierten inszenierten Passagen.

Wie immer, wenn es 18 Uhr ist, verlässt eine ganze Gänseschar den kleinen verwunschenen Tümpel und nähert sich gemächlich dem menschenleer gewordenen mittelalterlichen Dorfplatz mit seinen rauschenden Buchen, umherstreunenden Katzen und dem für die Nacht versorgten Vieh in den Ställen. Denn eigentlich ist jetzt Schicht im Freilandmuseum Wackershofen bei Schwäbisch Hall. Eigentlich.

Drei Wochen lang war das nun anders, denn ein kompletter Spielfilm-Drehstab von rund vierzig Menschen lebte und arbeitete dort täglich auf dem weitläufigen Gelände mit seinen alten Steinhäusern, Plätzen und Gärten, hügeligen Streuobstwiesen und sanften Abhängen. Sommerfrische unter dem weiten Hohenloher Himmel.

Über die Unglücksursache wird noch heute spekuliert, von elektrostatischer Entladung ist die Rede, der Verkettung unglücklicher Umstände bis hin zu Sabotage. Eine andere, ganz eigene Version hat der in Reutlingen geborene Schriftsteller Alexander Häusser in seiner 1998 im S. Fischer Verlag erschienenen Erzählung "Zeppelin!" entwickelt. Er stellt seinen Protagonisten Robert Silcher Š Zellenpfleger und damit Besatzungsmitglied Š in unmittelbaren Zusammenhang mit der Katastrophe und lässt ihn im historisch verbürgten Streben Deutschlands, an das seinerzeit monopolistisch im Besitze der USA befindliche nicht-brennbare Helium-Gas zu kommen, den äußersten Schritt tun, nämlich sich und die Hindenburg zu opfern, um die deutsche Luftschifffahrt zu retten.

"Es gibt Menschen die sind für den Himmel gemacht, und andere für die Erde!"

Der gesamte 40-köpfige Stab um Herstellungsleiterin Cornelia Schmidt-Matthiesen und Filmgeschäftsführerin Katharina Beck hatte das ländliche Idyll Wackershofen, sein heimliches Fluidum, längst in den Venen. Die täglichen Drehdispositionen der 1. Aufnahmeleitung Ines Frederich beschrieben also nicht nur einfach branchenüblich, wer mit wem wann wo zu sein hat um was zu tun, sondern begrüßten außerdem Eva, das frisch geborene Kälbchen des benachbarten Weidnerhofes. Und alle, die da waren, stellten ihre Uhren nach der Schar Gänse, die pünktlich um 18 Uhr ihren Tümpel verließen, um dem doch nicht ganz so still gewordenen mittelalterlichen Dorfplatz mit seinen rauschenden Buchen, umherstreunenden Katzen und dem fŸr die Nacht versorgten Vieh in den Ställen entgegenzutapsen. So geschehen zwischen dem 18. Juni und 14. Juli 2004. (Text: Gordian Maugg)

 

Film / Dreharbeiten waren im Sommer 2004 in Wackershofen

"Zeppelin!" endlich im Kino

Am 6. Mai 2007 jährt sich das Unglück von Lakehurst zum 70. Mal

Ernst-Walter Hug

Nach vielen internationalen Festivalerfolgen kommt der zwischen Juni und August 2004 unter anderem im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen gedrehte Spielfilm "Zeppelin!" von Gordian Maugg, um das Datum der 70. Wiederkehr des großen Unglücks am 6. Mai 1937 in Lakehurst herum in die Kinos. Seit einer "Erstaufführung" am Originaldrehort Friedrichshafen am 24. April ist der Film mit zwei Kopien in Baden-Württemberg unterwegs. Im Schwäbisch Haller Kino im Schafstall wird der Film am 18. und 20. Mai 2007 aufgeführt. Nach der Vorführung am 18. Mai stellt sich der Regisseur Gordian Maugg in einem Filmgespräch dem Publikum. Weitere Termine mit dem Regisseur sind in der Region am 8. Juni in den Kammer-Lichtspielen von Crailsheim, am 22. Juni in Heilbronns Universum Arthouse-Kino und am 23. Juni im Kino Klappe in Kirchberg an der Jagst.

Die Hindenburg und ihr Schwesterschiff Graf Zeppelin II sind bis heute die grš§ten Luftschiffe, die jemals gebaut wurden. Sie hatten ein Volumen von ca. 200.000 Kubikmetern. Eine der Unglücksthesen: Durch elektrische Entladungen soll sich die HŸlle entzŸndet haben, und das UnglŸck seinen Lauf genommen haben. Vom ersten Funken bis zur vollstŠndigen Zerstšrung des Luftschiffes dauerte es ganze 33 Sekunden. Es ist als Wunder zu betrachten, das von den 98 Besatzungsmitgliedern und Passagieren 62 das UnglŸck Ÿberlebten.

Heute sieht man sie wieder am Himmel über dem Bodensee, die Zeppelin-Luftschiffe. Viel kleiner und nicht mehr gefüllt mit explosivem Wasserstoff sondern mit dem seltenen aber unbrennbaren Edelgas Helium. Die "Hindenburg" einst war so lang wie drei Fußballfelder und so hoch wie ein fünfzehnstöckiges Haus. Vor genau 70 Jahren, am 6. Mai 1937 ging das Luftschiff in nur 33 Sekunden vor laufenden Kameras in Flammen auf. Nahezu jeder hat die alten Filmaufnahmen der Katastrophe schon im Fernsehn oder Kino gesehen.

Doch es ist nicht diese reale Tragödie, die Gordian Maugg vor drei Jahren in Halls Umgebunge (und auf der Schwäbischen Alb sowie am Originalschauplatz Friedrichshafen) verfilmt hat, sondern eine Geschichte hinter der Geschichte, einen "erfundenen" Kriminalroman des Autors Alexander Häuser, der den dramatischen Zeppelinabsturz in Lakehurst aus neuer Perspektive beleuchtet. Enstanden ist kein Thriller, sondern eine puzzleartig zusammengesetzte, spannende Familiengeschichte aus der Perspektive des Werftarbeitermilieus.

Spielte - neben einigen anderen aus der Haller Statistenriege - in einer kleinen Statistenrolle im Film mit, die Hallerin Veronica Heierth.

Es geht darin um einen gewissen Robert Silcher, der als Besatzungsmitglied beim legendären Brand des "LZ 129 Hindenburg" am Landemast von Lakehurst/USA 1937 starb. Sein Sohn Jakob hatte danach sein Leben damit verbracht, Licht in die mysteriösen Umstände des Unfalles zu bringen und scheiterte daran. Enkel Matthias erinnert sich nur an des Vaters tiefe Traurigkeit und einen Ausflug im Jahr 1973 an den Bodensee. Im Jahr 2005 schließlich macht er sich auf, das immer noch ungelöste Rätsel und damit auch den Grund für die Verzweiflung des Vaters heraus zu bekommen. "Die Geschichte und die Tragik enthüllen sich wie die Schichten einer Zwiebel", sagt Gordian Maugg zu seinem Film. "Die verschiedenen Zeitebenen – die Kindheit Roberts Anfang des 20. Jahrhunderts, seine Arbeit in der Werft in den dreißiger Jahren, die Kindheit seines Enkels Matthias in den Siebzigern und die Recherche des erwachsenen Matthias in der Gegenwart – werden miteinander verflochten zu einen dichten Bild.

Die Geschichte ähnelt einem zerrissenen Familienfoto, dessen Schnipsel sich allmählich erst wieder zusammensetzen."eiflung des Vaters heraus zu bekommen. "Die Geschichte und die Tragik enthŸllen sich wie die Schichten einer Zwiebel", sagt Gordian Maugg zu seinem Film. "Die verschiedenen Zeitebenen Š die Kindheit Roberts Anfang des 20. Jahrhunderts, seine Arbeit in der Werft in den drei§iger Jahren, die Kindheit seines Enkels Matthias in den Siebzigern und die Recherche des erwachsenen Matthias in der Gegenwart Š werden miteinander verflochten zu einen dichten Bild. Die Geschichte Šhnelt einem zerrissenen Familienfoto, dessen Schnipsel sich allmŠhlich erst wieder zusammensetzen."